Denkmal zur Erinnerung an jüdische Familien

Nahe der Stelle, an dem im September 2017 eine zweiteilige Holzskulptur einen Ort bekommen hat, wohnten in den 1930er Jahren die vier jüdischen Familien Salomon, Zimmermann, Siegler und Kaufmann.
Die Familien waren in die sonst überwiegend katholisch geprägte Bevölkerung gut integriert.
Die Brüder Siegfried und Eugen Salomon mit Familie lebten vom Viehhandel und hatten von daher Beziehungen zu vielen Landwirten. Die Familie emigrierte im Dezember 1935 in die USA, Siegfried Salomon im Januar 1938.  Nach dem Krieg kehrten die Familie Salomon und Siegfried nach Deutschland zurück.

Über die Familie Siegfried und Else Siegler mit den Kindern Walter und Anneliese ist nicht viel bekannt, da sie nur kurze Zeit (1935- 1938) in Hillesheim gelebt haben. Ein Hermann Siegler meldete am 24. Januar 1935 Gewerbe als Rindviehhändler an, die ihm jedoch kurz vor seiner Emigration im Dezember 1937 in die USA entzogen wurde.

Die Familie Albert und Anna Zimmermann lebten mit ihren Kindern Kurt und Hildegard in der Kölnerstr. 11. Albert Zimmermann war Altwarenhändler mit einem Schrotteisenlager, Anna Zimmermann betrieb ein kleines Geschäft mit den wichtigsten Lebensmitteln. Albert Zimmermann starb am 22.5.1935, ein Grabstein steht auf dem jüdischen Friedhof in Bonn-Castell. Der Inschrift zufolge muss es mindestens ein weiteres Geschwisterkind der Familie Zimmermann geben. Hildegard Zimmermann heiratete Alfons Gottschalk aus Ahrweiler. Zusammen mit ihrer Mutter Anna wurden die Eheleute am 20. Oktober 1941 ab Köln in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Anna Zimmermann ist am 4.1.1944 in Lodz umgekommen. Hildegard Gottschalk wurde am 26. Juni 1944 in das Vernichtungslager Kulmhof gebracht, wo sie ermordet (für tot erklärt) wurde. Alfons Gottschalk ist in Lodz umgekommen, als Todesdatum wurde der 21.3.1943 bestimmt. Kurt Zimmermann emigrierte am 20.6.1933 nach Alkmar (Holland). Er kehrte wieder nach Deutschland zurück, heiratete am 22.9.1972 in Frankfurt/ Main. Er verstarb am 4. Januar 1996 in Düsseldorf.

Historisch sehr gut belegt ist der Leidensweg der Familie Kaufmann. Emil und Erna Kaufmann (geb. Marx aus Glaadt bei Jünkerath) lebten mit den beiden Kindern Ruth und Walter im Pilatushof.  Da die Familie, wohl aus finanziellen Gründen nicht fliehen konnte, war sie den Repressalien der Nationalsozialisten ausgeliefert. Infolge der Reichspogromnacht überfielen Nationalsozialisten am 10. November 1938 die Wohnung der Familie, schlugen Scheiben ein, zerstörten Porzellan und Mobiliar der Familie und schossen in die Decke. Erna Kaufmann sprang mit ihrem einhalbjährigen Sohn aus dem Fenster des Obergeschosses und fand Zuflucht bei Nachbarn. Einige Hillesheimer Familien unterstützte die Familie so gut es ging mit dem Lebensnotwendigen. Vor allem, als ab 1940 das Einkaufen für Juden in Geschäften verboten wurde. Auch hier hingen Schilder mit der Aufschrift „Juden unerwünscht“ öffentlich in Geschäften aus. Im Herbst 1941 wurde Emil Kaufmann gemeinsam mit Moritz Levy und Fritz Mansbach aus Gerolstein zur Zwangsarbeit im Steinbruch bei Rockeskyll herangezogen. Am 26. Februar 1943 erhielt die Familie Kaufmann den Bescheid vom Ortsgruppenleiter, sich am nächsten Morgen, mit allem was sie tragen konnten, bereitzuhalten. Die Familie wurde von der Gestapo abgeholt und ging ohne Widerstand, mit einem Handwagen bepackt, zu Fuß nach Oberbettingen. Es wird erzählt, dass Erna Kaufmann unter Tränen in Höhe der Ablasskreuze zurück nach Hillesheim schaute und sagte, dass sie Hillesheim wohl nie wieder sehen würde. Von Oberbettingen wurden sie zunächst nach Trier gebracht und von dort aus nach Ausschwitz deportiert. „Die Familie kam am 3. März 1943 dort an. Wahrscheinlich fielen Erna Kaufmann und die Kinder der Selektion an der Bahnhofsrampe zum Opfer und wurden in die „Gaskammern“ geschickt. Emil Kaufmann, der im Konzentrationslager Ausschwitz die Häftlingsnummer 105111 trug, überlebte seine Familie nur um 6 Wochen. Er starb am 22. April 1943 im Häftlingskrankenhaus.“


Eine Geschichts-AG der Augustiner Realschule erarbeitete 2005 eine Handreichung „Auf den Spuren der Juden in Hillesheim und Gerolstein“.

Auf Initiative der Katholischen Erwachsenenbildung fand unter Anwesenheit von Zeitzeugen 2011 eine weitere Initiative zur Aufarbeitung statt. Hiernach wurde der litauische Künstler Arvydas Svirmickas beauftragt, eine Holzskulptur zu entwerfen.
Diese stellt eine Thorarolle dar. Über dem siebenarmigen Leuchter (Menora) ist die Rimonim, ein bekrönender Aufsatz zu erkennen. Die andere Seite der Skulptur deutet den Davidstern an, das Symbol des Volkes Israel und des Judentums. Als symbolische Darstellung deutet er die Beziehung zwischen Gott und den Menschen an.  Die sechs Dreiecke stehen für die Schöpfungstage, die Mitte für den Ruhetag, die zwölf Ecken des Sterns für die Stämme Israels. Die Zahl 105.111 war die Häftlingsnummer von Emil Kaufmann in Ausschwitz.

Was geschehen ist,
darf man nicht vergessen,
um für die Zukunft
dagegen gefeit zu sein.

(Ignatz Bubis)


Eine ausführlichere Dokumentation und Quellennachweise sind im Pfarrbüro in Hillesheim erhältlich.

Arvydas Svirmickas

 

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